Vom drohenden Abriss zum lebendigen Bürgerprojekt

Viele Jahre stand die Alte Schule an der Friedberger Straße leer. Im Jahr 2008 schien ihr Schicksal eigentlich schon besiegelt, als der Abriss des Gebäudes zusammen mit drei benachbarten Fast-Ruinen beschlossen wurde. Doch dagegen regte sich erfolgreicher Widerstand. Angeführt von der Initiative durch Gregor Lang, gründeten engagierte Hochzoller 2012 den Verein „Ensemble Alte Schule“.

Mit dem Begriff „Ensemble“ waren jene vier über einhundert Jahre alten Häuser an der Friedberger Straße gemeint, die einst das historische Herz des alten Hochzoll bildeten.
Eine Zusage für den Erhalt des gesamten Ensembles konnte der Verein zwar nicht erwirken, doch die Umwidmung des alten Schulhauses in ein dringend benötigtes Jugendcafé handelte die Initiative erfolgreich mit der Stadt aus.
Schließlich wurde das Gebäude der Alten Schule durch die Stadt Augsburg saniert und beherbergt nun das „Jugendhaus Alte Schule“

Durch weitere ehrenamtliche Arbeit konnte auch das direkt daneben liegende, stark beschädigte erste Feuerwehrgerätehaus von 1905 gerettet werden. In diesem großen „Bürgerprojekt“ entstand eine neue Räumlichkeit mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten für Veranstaltungen und lokale Initiativen – ermöglicht durch ehrenamtlichen Einsatz, Sponsoren und die Unterstützung der Stadt Augsburg.

Ein Blick in die Geschichte

Die alte Schule ist nach dem Stierhof das zweitälteste Gebäude Hochzolls. Ihre Einweihung 1875 beendete eine harte Zeit: Zuvor mussten die Kinder aus der „Friedberger Au“ (wie Hochzoll bis 1903 hieß) über 70 Jahre lang zu Fuß nach Friedberg oder Augsburg zur Schule laufen. Der Unterricht startete vor Ort mit 57 Kindern.

Die wichtigsten Meilensteine im Überblick:

  • 1877 Aufstockung: Die Schülerzahl stieg rasant auf 87. Das Gebäude erhielt ein zweites Stockwerk und Unterstützung durch einen Hilfslehrer.
  • Pionierrolle: Katholische und evangelische Kinder wurden von Anfang an gemeinsam unterrichtet – damals eine seltene Ausnahme. Zudem fanden im ersten Stock lange Zeit die ersten evangelischen Gottesdienste statt.
  • 1910: Wegen des schnellen Wachstums entstand nebenan eine neue Schule mit vier Klassen (2012 abgerissen). Die Alte Schule wurde zum Mietshaus.
  • Nach 1933 & Nachkriegszeit: Nutzung als Amtszimmer des
    NSDAP-Ortsgruppenleiters, später als Städtische Mütterberatung.
  • Zentrum im Wandel: Das Gebäude blieb immer im Herzen Hochzolls – nahe den Geschäften, den Kirchen Hl. Geist und St. Matthäus. 1916 folgte mit dem heutigen Bürgertreff „Holzerbau“ die dritte Schule des Stadtteils, der heute den Bürgertreff Hochzoll beherbergt